Was sie über Suizidalität wissen sollten

Suizidalität ist ein Sammelbegriff für Suizid, Suizidversuch, Suizidabsicht und Suizidgedanken.

Suizidgedanken und -absichten entstehen meist in Lebenssituationen, die uns besonders erschüttern oder lang anhaltend belasten. Diese können uns in dem Moment unlösbar erscheinen. Ursachen können seelischen Verletzungen sein, Enttäuschungen, Trennungen von wichtigen Personen, aber auch Gefühle des Versagens und des Verlustes von wichtigen Zielen im Leben.  

Gründe für den Wunsch sich das Leben zu nehmen können sein

  • Flucht vor einer als unerträglich empfundenen Situationen
  • Flucht vor negativen Emotionen
  • Hilferuf
  • Problemlöseversuch
  • Wunsch nach Ruhe, Unterbrechung oder Pause

Selten steht der Wunsch nach dem Tod im Vordergrund. Meist ist es der Wunsch nach Ruhe vor der aktuellen, als aussichtslos empfundenen Situation.

Wie entwickelt sich Suizidalität?

Vielen Suiziden geht eine längere Entwicklung voraus. Während dieser Zeit werden die Betroffenen von negativen und widersprüchlichen Gefühlen gequält – alles scheint hoffnungslos. Die Gedanken drehen sich nur noch um die ausweglose Situation und das Grübeln kann nicht abgestellt werden. Zudem ziehen sich die Menschen zurück und isolieren sich von ihrem sozialen Umfeld. Es kommt zu aggressiven Tendenzen, die sich gegen die eigene Person richten. Phantasien, wie der eigene Suizid aussehen könnte, werden immer detaillierter.

Den Reaktionen der Umwelt kommt in dieser Phase eine besondere Bedeutung zu!

Wenn Sie sich Sorgen um einen Menschen machen, scheuen Sie sich nicht nachzufragen!

Sie müssen keine Angst haben, dass Sie Betroffene erst auf die Idee bringen könnten, sich das Leben zu nehmen, indem Sie das heikle Thema ansprechen. In der Regel spüren suizidgefährdete Menschen eine erhebliche Erleichterung, wenn sie diese belastenden Gedanken aussprechen dürfen.

Was spielt sich im Inneren eines suizidalen Menschen ab?

Krisenzeiten können begleitet sein von „starkem seelischem Schmerz“, ähnlich einem schlimmen körperlichen Schmerz. Dieser seelische Schmerz löst einen Alarmzustand im Körper aus, weil der Teil des Gehirns, der für das überlegte Denken und das Suchen nach Problemlösungen zuständig ist, wie „ausgeschaltet“ ist. Man ist in diesem Zustand nicht mehr in der Lage, längerfristige Pläne und die guten Seiten des Lebens zu sehen. Es kann so scheinen, als würde es keinen anderen Ausweg geben, als das Leben zu beenden. Oft können Menschen diesen Ausnahmezustand im Nachhinein selbst nicht erklären oder nachempfinden. 

Ein Suizidversuch hinterlässt Spuren im Gehirn. Das Notprogramm „Suizid ist die einzige Lösung“ wird gespeichert und bei der nächsten schweren Krise wieder aktiviert. Menschen, die bereits einen Suizidversuch hinter sich haben, egal wie lange es her ist, sind deshalb besonders gefährdet und brauchen Unterstützung! 

Es gibt Risikofaktoren und Warnsignale, die auf ein erhöhtes Suizidrisiko hinweisen können. Einzelne Anzeichen müssen noch kein Hinweis sein, aber bei einer Häufung von Alarmzeichen muss gehandelt und professionelle Hilfe initiiert werden!

Grundsätzlich können bei jedem Menschen, der in eine tiefgreifende Krise gerät, Suizidgedanken entstehen. Es gibt jedoch Faktoren, die zusätzlich belastend sind und das Risiko eines Suizids erhöhen. Besondere Beachtung brauchen Menschen mit psychiatrischen Störungen, vor allem mit  Depression, Suchterkrankungen oder Essstörungen.

Bei einer Depression verändern sich der Stoffwechsel und die Aktivitäten des Gehirns. Das Denken ist verzerrt, man erlebt sich als negativ und gibt sich selbst die Schuld dafür. Diese verzerrte Wahrnehmung kann zu Suizidabsichten führen. Bei Depressionen ist eine professionelle Behandlung deshalb besonders wichtig. Grundsätzlich sind auch Menschen in psychosozialen Krisen, mit chronischen Erkrankungen, Männer und ältere Menschen gefährdet. Soziale Isolation, Einsamkeit, Armut, sowie Gewalt- und Missbrauchserfahrungen sind ebenfalls gefährdend. Auch Angehörige von Menschen, die sich suizidiert haben, besitzen ein höheres Risiko!

Rund 80% der Menschen, die einen Suizid erwägen, kündigen diesen vorher an und geben damit anderen die Chance, ihnen zu helfen! Nehmen Sie jede Suizidankündigung ernst!

Was versteht man unter Suizidankündigungen?

  • Konkrete Ankündigungen (mündlich, schriftlich oder in Zeichnungen) sollten in jedem Fall ernst genommen werden.
  • Nehmen Sie auch indirekte Ankündigungen ernst, wie etwa…
    „Ich habe keinen Grund mehr zu leben.“
    „Es wäre für alle besser, wenn ich nicht mehr da bin.“
    „Ich bin doch nur eine Last.“
    „Am Liebsten wäre ich nicht mehr da.“

Weitere Hinweise für eine Suizidgefährdung

  • Eindeutige, vorbereitende Handlungen wie…
    Tabletten sammeln
    Beschaffung von Suizidmitteln
    Online nach Suizidmethoden suchen
    Testament schreiben
  • Verschenken wichtiger persönlicher Dinge
  • Das geliebte Haustier in Pflege geben
  • Allgemeiner Rückzug aus sozialen Beziehungen und Isolation
  • Die eigene Person wird häufig als innerliche leer, verlassen, hoffnungslos, hilflos, ohnmächtig und unverstanden erlebt. Viele empfinden auch starke Schuld oder Scham.
  • Zentrale Werte werden in Frage gestellt und oft gleichgültig
  • Risikoreiches Verhalten, das zum Tod führen könnte (z.B. riskantes Autofahren)
  • Erhöhter Drogen- oder Alkoholkonsum

Je genauer die Vorstellungen von der Suizidausführung sind, desto größer ist die Gefährdung.

Wenn Sie bei einem Ihnen nahe stehenden Menschen einen oder mehrere dieser Hinweise wahrnehmen, fragen Sie die Person ganz konkret nach Suizidabsichten. Hilfen für das Gespräch finden Sie hier (link – Darüber reden).

Durch professionelle Krisenintervention kann ein Suizid verhindert werden!

Holen Sie im Zweifelsfall professionelle Hilfe! Sie finden Sie hier.